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Ein Skill statt Dutzender Prompts: So entwickeln Sie Ihre eigene Arbeitsweise mit KI

Was Skills in KI-Tools sind, worin sie sich von einem gespeicherten Prompt unterscheiden und wie Sie Schritt für Schritt einen eigenen Skill in Claude erstellen - mit dem Skill-Creator oder manuell als Paket mit einer SKILL.md-Datei.

Wer regelmäßig mit KI-Tools arbeitet, bemerkt schnell ein wiederkehrendes Muster. Jedes Mal muss man erneut erklären, was man erwartet, den Kontext beschreiben, die Vorgehensweise festlegen, das Antwortformat bestimmen und an die Regeln erinnern, die die KI einhalten soll.

Selbst ein gut vorbereiteter Prompt löst dieses Problem oft nur teilweise. Man kann ihn in einem separaten Dokument, einer Prompt-Bibliothek oder einem Notizbuch speichern und dann in neue Unterhaltungen kopieren. Es bleibt aber eine einzelne Anweisung, die man finden, einfügen, ergänzen und an die jeweilige Aufgabe anpassen muss.

Was wäre, wenn Sie der KI nicht jedes Mal erklären müssten, wie sie arbeiten soll, sondern diese Anweisung nur ein einziges Mal vorbereiten könnten?

Genau dafür gibt es Skills. Ein Skill beschreibt eine wiederholbare Vorgehensweise für eine Aufgabe und speichert sie in einer Form, auf die die KI zurückgreift, sobald sie das passende Szenario erkennt. Er kann nicht nur eine Anweisung enthalten, sondern auch die einzelnen Prozessschritte, das geforderte Antwortformat, Verhaltensregeln, Beispiele, Referenzmaterialien, Vorlagen und sogar Skripte für komplexere Vorgänge.

In der Praxis heißt das: Eine bewährte Arbeitsweise lässt sich in ein wiederverwendbares Modul verwandeln. Statt für jede Aufgabe einen eigenen, umfangreichen Prompt zu schreiben, können Sie einen Skill vorbereiten, der den gesamten Prozess beschreibt. Ein solcher Skill kann zum Beispiel festlegen, wie die KI:

  • technische Dokumentation analysiert,
  • Inhalte auf unbestätigte Informationen prüft,
  • Artikel im vereinbarten Stil verfasst,
  • Präsentationen auf Basis einer Unternehmensvorlage erstellt,
  • Daten nach einem festgelegten Verfahren ordnet,
  • Dokumente gemäß dem Corporate Design des Unternehmens erzeugt,
  • Dateien in mehreren Schritten analysiert,
  • auf Informationen hinweist, die sich nicht bestätigen ließen.

Die wichtigste Veränderung ist also nicht nur ein kürzerer Prompt. Es geht um den Schritt von einzelnen Befehlen hin zu einer wiederholbaren und weiterentwickelbaren Arbeitsweise mit KI.

Ein Skill ist mehr als ein gespeicherter Prompt

Auf den ersten Blick ähnelt ein Skill einem ausführlichen Systemprompt. In beiden Fällen geben wir dem Modell Anweisungen, wie eine Aufgabe zu erledigen ist. Der Unterschied wird sichtbar, sobald der Prozess mehr Bestandteile erfordert.

Ein Prompt ist in der Regel eine einzelne Nachricht. Ein Skill dagegen ist ein strukturiertes Paket, das Folgendes enthalten kann:

  • einen Namen und eine Beschreibung des Zwecks,
  • die Angabe, wann er verwendet werden soll,
  • Anweisungen in einer SKILL.md-Datei,
  • detaillierte Regeln für die Umsetzung der Aufgabe,
  • Beispiele für erwartete Ergebnisse,
  • Referenzdateien,
  • fertige Vorlagen,
  • Skripte für wiederkehrende Vorgänge,
  • weitere Ressourcen, die während der Arbeit benötigt werden.

Dadurch muss die Hauptanweisung nicht alle denkbaren Informationen enthalten. Im Alltag „sieht“ die KI nur den Namen und die Beschreibung des Skills. Die vollständige Anweisung lädt sie erst, wenn sie den Skill für nützlich hält, und die Hilfsdateien erst dann, wenn die Anweisung sie dazu auffordert. Dieser Mechanismus heißt schrittweise Offenlegung (engl. progressive disclosure).

Das ist besonders bei umfangreicheren Prozessen hilfreich. Eine Anweisung zur Erstellung eines Berichts kann auf eine separate Dokumentvorlage verweisen. Ein Skill zur Datenanalyse kann ein Skript für Berechnungen nutzen. Ein Skill für Unternehmensmaterialien wiederum kann Richtlinien zu Sprache, Struktur, Formatierung und Corporate Design enthalten. Statt eines sehr langen Prompts lässt sich also ein geordnetes Set aus Anweisungen und Ressourcen vorbereiten.

Ein Skill verändert nicht das Modell

Einen Skill zu erstellen bedeutet weder, das Modell neu zu trainieren, noch ihm dauerhaft neues Wissen beizubringen.

Ein Skill liefert der KI zusätzliche Anweisungen und Materialien, die sie für eine bestimmte Art von Aufgabe braucht. Man kann ihn mit einer Arbeitsanweisung für einen neuen Mitarbeiter vergleichen. Das Modell erwirbt kein dauerhaftes neues Wissen, erhält aber eine strukturierte Beschreibung, wie es in einer bestimmten Situation vorgehen soll. Deshalb ist es treffender zu sagen, dass ein Skill die Arbeitsweise der KI organisiert, als dass er das Modell selbst verändert.

Das hat auch praktische Bedeutung. Ein Skill lässt sich aktualisieren, wenn sich der Prozess ändert, um neue Beispiele erweitern, mit zusätzlichen Ressourcen ergänzen und anhand von Testergebnissen verbessern. Dafür müssen Sie weder ein eigenes Modell trainieren noch die gesamte Lösung umbauen.

Wo begegnen Ihnen Skills?

Skills sind keine Lösung eines einzelnen Herstellers. Solche Mechanismen tauchen in verschiedenen KI-Umgebungen auf - sowohl in Anwendungen für Business-Anwender als auch in Tools für Entwickler. Im Folgenden einige Beispiele - die Liste ist nicht vollständig.

Microsoft Copilot Studio. Die Funktion heißt hier Agent skills. Ein Skill kann von Grund auf erstellt, mithilfe von KI generiert oder als fertige SKILL.md-Datei bzw. als ZIP-Paket mit Hilfsdateien wie Skripten, Vorlagen und Referenzdokumenten hochgeladen werden. Ein Skill ist ein Baustein, der einem Agenten hinzugefügt wird - kein Ersatz für einen ganzen Agenten, einen Konnektor oder eine Wissensquelle.

ChatGPT und OpenAI-Tools. Ein Skill kann im Chat erstellt werden (z. B. mit dem Befehl „Build me a skill…“), außerhalb von ChatGPT vorbereitet oder als fertiges Paket vom Computer hochgeladen werden. Vor der Freigabe scannt ChatGPT den hochgeladenen Skill. In Organisationen entscheidet der Administrator, wer Skills erstellen, hochladen und teilen darf - mit bestimmten Personen, Gruppen oder dem gesamten Workspace. OpenAI beschreibt Skills als wiederverwendbare Workflows, die Anweisungen, Hilfsdateien und Code enthalten können.

Claude. Anthropic verwendet die Bezeichnungen Skills und Agent Skills. Skills sind in den Plänen Free, Pro, Max, Team und Enterprise verfügbar, außerdem in Claude Code und über die API. Sie setzen voraus, dass die Codeausführung aktiviert ist. Sie können fertige Skills von Anthropic und Partnern, in der Organisation geteilte Skills sowie eigene, auf einen bestimmten Prozess zugeschnittene Skills nutzen.

Microsoft, OpenAI und Anthropic sind nur Beispiele. Das Format Agent Skills wird als offener Standard entwickelt (Spezifikation unter agentskills.io), daher lässt sich derselbe Skill oft zwischen Tools übertragen. Name der Funktion, Installationsweg und Funktionsumfang können sich je nach Plattform jedoch unterscheiden.

Ein Skill ist kein Konnektor

Ein Skill beschreibt in erster Linie, wie eine Aufgabe erledigt wird. Er kann Anweisungen, Verfahren, Beispiele und Hilfsdateien enthalten, verschafft aber selbst keinen Zugriff auf E-Mails, Unternehmensdokumente, ein CRM-System oder andere Dienste. Dafür ist eine separate Integration nötig, etwa ein Konnektor, eine App, eine API oder ein MCP-Server.

Wie erstellen Sie einen eigenen Skill in Claude?

In Claude lässt sich ein eigener Skill auf zwei Wegen erstellen: mit dem Skill-Creator oder manuell, indem Sie ein Paket mit einer SKILL.md-Datei und weiteren Ressourcen anlegen. In beiden Beispielen bauen wir einen Skill für Unternehmenspräsentationen:

  • Methode 1 - der Skill company-brand-presentation, erzeugt mit dem Creator. Er nutzt das im Paket hinterlegte Corporate Design und Logo (Brand-Tokens und Logo-Varianten).
  • Methode 2 - der Skill company-presentation, manuell erstellt. Er nutzt unser im Paket hinterlegtes Unternehmensdesign.

Beide Skills verbindet dieselbe Datenschutzregel: Von den Unternehmensdaten darf die Präsentation ausschließlich unser eigenes Firmenlogo enthalten. Keine Namen oder Logos von Kunden und Partnern, keine Kontaktdaten, personenbezogenen Daten, Preise, Ergebnisse oder vertraulichen Materialien. Fehlende Informationen markiert der Skill als „To be completed“.

Die Screenshots in diesem Artikel zeigen die englische Fassung der Skills.

Methode 1: Einen Skill mit dem Skill-Creator erstellen

Der Creator (skill-creator, bereitgestellt von Anthropic) sammelt die Anforderungen, stellt bei Bedarf Rückfragen und bereitet eine fertige Skill-Struktur vor.

Schritt 1: Skills aktivieren

  1. Öffnen Sie die Einstellungen von Claude.
  2. Gehen Sie zu Settings → Capabilities und aktivieren Sie Code execution and file creation. Ohne diese Option funktioniert der Skills-Bereich nicht.
  3. Gehen Sie zu Customize → Skills. Dort finden Sie Skills von Anthropic (darunter skill-creator), in der Organisation geteilte Skills und Ihre eigenen.

In den Plänen Team und Enterprise muss der Organisationsinhaber beide Funktionen - Codeausführung und Skills - zunächst unter Organization settings → Plugins & skills (Registerkarte Policy) freischalten.

Schritt 2: Den Skill-Creator starten

Am einfachsten starten Sie den Creator direkt im Chat. Geben Sie im Nachrichtenfeld einen Schrägstrich und den Skill-Namen ein - /skill-creator - und wählen Sie ihn aus der Liste. Fügen Sie in dieselbe Nachricht die Aufgabenbeschreibung aus Schritt 3 ein.

Sie können auch in natürlicher Sprache schreiben, z. B. „Nutze skill-creator und hilf mir Schritt für Schritt, einen Skill für Unternehmenspräsentationen zu erstellen“.

Schritt 3: Die Aufgabe genau beschreiben

Die Qualität des Skills hängt von der Qualität der Beschreibung ab. Statt einer allgemeinen Bitte („mach mir einen Skill für Präsentationen“) bereiten Sie ein vollständiges Briefing vor, das fünf Fragen beantwortet:

  • Wann soll der Skill starten (bei welchen Anfragen)?
  • Was muss vor Arbeitsbeginn geklärt werden?
  • In welcher Reihenfolge sollen die Schritte erfolgen?
  • Welches Ergebnis wird erwartet, und in welchem Format?
  • Was darf der Skill nicht tun?

Das Briefing aus unserem Beispiel. Fügen Sie es direkt nach dem Aufruf von /skill-creator (Schritt 2) in das Nachrichtenfeld ein und senden Sie alles als eine einzige Nachricht:

/skill-creator Der Skill soll starten, wenn der Anwender darum bittet, eine
Unternehmenspräsentation vorzubereiten, Folien auf Basis eines Dokuments zu erstellen
oder Material an die Markenrichtlinien anzupassen.

Kläre vor dem Start: Ziel der Präsentation, Zielgruppe, Sprache, Anzahl der Folien,
visuelle Variante und verfügbare Quellmaterialien.

Erstelle zuerst einen Folienplan. Die PPTX-Datei erstellst du erst nach ausdrücklicher
Freigabe des Plans. Von den Unternehmensdaten darfst du ausschließlich unser Firmenlogo
verwenden. Verwende keine Namen oder Logos von Kunden, keine personenbezogenen Daten
und keine vertraulichen Materialien. Markiere fehlende Informationen als „To be completed“.

Schritt 4: Die Fragen des Creators beantworten

Der Creator fragt nach, was im Briefing fehlt: Präsentationsstil, Folienlayout, Dateiformat, Umgang mit fehlenden Daten oder Qualitätskriterien. Ist das Briefing vollständig, kann der Creator den Skill sofort erstellen - so war es in unserem Beispiel. Nach dem ersten Entwurf schlägt der Creator außerdem einige Testfälle vor und fragt, ob er sie ausführen soll.

Wenn Fragen kommen, antworten Sie konkret und überprüfbar. Ein Beispiel für eine gute Antwort:

Jede Folie soll eine zentrale Botschaft, eine klare Hierarchie und höchstens 5
Aufzählungspunkte haben. Wenn keine Markenmaterialien geliefert wurden, verwende ein
neutrales Demo-Design.

Schritt 5: Den erzeugten Skill prüfen

Bevor Sie den Skill speichern, prüfen Sie ihn anhand von fünf Punkten:

  • Name und Beschreibung zeigen klar, wann der Skill starten soll,
  • der Prozess hat die richtige Schrittfolge,
  • der Folienplan muss vor der PPTX-Erstellung freigegeben werden,
  • fehlende Daten werden nicht durch Vermutungen ergänzt,
  • außer dem Logo nutzt der Skill keine Unternehmensdaten, und das Paket enthält keine Kundennamen oder vertraulichen Dateien.

Der wichtigste Teil der Datei ist der Header. Das Feld description ist der zentrale Auslösemechanismus - Claude gleicht die Anfrage des Anwenders damit ab. Deshalb nennt die Beschreibung sowohl, was der Skill tut, als auch typische Formulierungen, bei denen er greifen soll. Auszug aus der erzeugten Datei:

---
name: company-brand-presentation
description: >
  Prepare a branded company presentation as an editable PowerPoint (.pptx)
  using the company visual identity and logo. Use this skill whenever the user
  asks to prepare a company presentation, build a deck or slides, turn a
  document, report, PDF, notes or offer into slides, or adapt/rebrand existing
  material or an existing deck to the company brand guidelines - even if they
  only say "make slides from this", "przygotuj prezentację", "zrób slajdy z
  tego dokumentu" or "dostosuj to do naszego brandu". The skill first collects
  a brief (purpose, audience, language, slide count, visual variant, sources),
  then proposes a slide plan, and builds the .pptx only after the user
  explicitly approves the plan. It uses no company data other than the logo
  and never includes client names or logos, personal data or confidential
  material.
---

# Company brand presentation
## What is in this skill               - logo, brand tokens, helper scripts
## Data rules (apply at every stage)   - the logo is the only company data allowed
## Stage 1 - Brief                     - six parameters, ask only about gaps
## Stage 2 - Read the sources          - facts, gaps, data that must not be used
## Stage 3 - Slide plan                - plan format, "To be completed" fields
## Stage 4 - Approval gate, then build - what is and is not approval of the plan
## Stage 5 - Quality check             - qa_check.py, validator, render
## Stage 6 - Deliver                   - summary and open "To be completed" items
## Language and typography             - diacritics, punctuation

assets/logo/ - four logo variants
references/brand-tokens.md - colors, fonts and layouts of the Dark and Light variants
scripts/brand.js, scripts/qa_check.py - build helper and automated checks

Schritt 6: Den Skill speichern

Den fertigen Skill liefert der Creator als Datei mit der Endung .skill. Klicken Sie auf die Dateikarte, um die Vorschau zu öffnen, und wählen Sie Save skill. Vor dem Speichern können Sie die Dateien direkt im Editor prüfen und bearbeiten.

Nach dem Speichern erscheint der Skill unter Customize → Skills mit einem Ein-/Aus-Schalter. Prüfen Sie, ob er aktiviert ist. In den Plänen Team und Enterprise können Sie ihn über die Schaltfläche Publish to org auch für die gesamte Organisation freigeben, sofern die Administratoreinstellungen das zulassen.

Schritt 7: Die Funktion testen

Öffnen Sie einen neuen Chat, hängen Sie ein Beispieldokument an und senden Sie Ihre Anfrage. Es lohnen sich zwei Tests: einer in natürlicher Sprache (prüft, ob der Skill anhand der Beschreibung von selbst startet) und einer mit dem Aufruf /company-brand-presentation (prüft das Verfahren selbst). Unser Test - bewusst ohne Regeln in der Anfrage, damit sich prüfen lässt, ob Plan und Anhalten vor der PPTX aus dem Skill kommen und nicht aus der Anweisung:

Erstelle eine Präsentation auf Basis dieser Datei.

Worauf Sie in der Antwort achten sollten:

  • Der richtige Skill - Claude teilt mit, welchen Skill es verwendet hat.
  • Fehlende Informationen - der Skill nutzt, was bereits angegeben wurde, und fragt nicht erneut danach. Nach fehlenden Parametern fragt er oder trifft offene Annahmen zur Bestätigung.
  • Der Plan - er hat das geforderte Format, Lücken sind als „To be completed“ markiert.
  • Anhalten - vor der Freigabe des Plans entsteht keine PPTX-Datei.

In unserem Test startete der Skill korrekt und erstellte einen Plan mit 8 Folien. Das Quellmaterial entnahm er der angehängten Datei; unter dem Plan listete er die zu ergänzenden Felder, die anonymisierten Angaben, die getroffenen Annahmen und die ausgelassenen Inhalte auf und bat um die Freigabe des Plans. Die PPTX-Datei entstand erst nach der Antwort „yes“.

Es lohnt sich auch, eine Bitte um den sofortigen Plan zu testen. In der ersten Version des Skills zeigte ein solcher Test eine Lücke: Die Anweisung regelte nicht, was zu tun ist, wenn der Anwender den Plan sofort möchte, der Skill aber zuerst Rückfragen stellen soll. Wir haben daher eine Regel ergänzt: In dieser Situation trifft der Skill Annahmen und bittet um ihre Bestätigung zusammen mit der Freigabe des Plans. Genau dafür testet man - um solche Unklarheiten zu finden, bevor man den Skill mit anderen teilt.

Methode 2: Einen Custom Skill manuell erstellen

Diese Methode gibt Ihnen volle Kontrolle über die Paketstruktur und die Organisation der Materialien. Wir erstellen den Skill company-presentation, der aus einem Quelldokument eine Präsentation in unserem Unternehmensdesign baut.

Schritt 1: Die Ordnerstruktur anlegen

company-presentation/
├── SKILL.md                     Hauptanweisung (erforderlich)
├── references/
│   └── brand-guidelines.md      Marken- und PPTX-Richtlinien
└── assets/
    └── theme/
        ├── README.md            Beschreibung der Designdateien
        ├── design-system-dark.html
        ├── design-system-light.html
        ├── export-rules.md
        ├── template.pptx
        ├── ColorVersion1.png    farbiges Logo (Light)
        ├── ColorVersion2.png    farbiges Logo (Dark)
        ├── DarkVersion.png      Logo für helle Hintergründe
        └── WhiteVerion.png      Logo für dunkle Hintergründe

Jeder Ordner hat eine eigene Aufgabe:

  • SKILL.md - die einzige Pflichtdatei. Sie enthält den Header mit Name und Beschreibung sowie das Hauptverfahren.
  • references/ - Dokumente, die Claude erst liest, wenn die Anweisung dazu auffordert.
  • assets/ - Dateien, die im Ergebnis verwendet werden: Vorlagen, Paletten, Logos.
  • scripts/ (optional, bei uns nicht genutzt) - Skripte für wiederkehrende Vorgänge.

Ein minimaler Skill kann nur aus SKILL.md bestehen. Weitere Ordner fügen Sie hinzu, wenn sie den Prozess tatsächlich unterstützen.

Ordnername und das Feld name. Die Spezifikation von Agent Skills verlangt, dass der Ordnername und das Feld name in SKILL.md identisch sind - in unserem Paket heißen daher beide company-presentation. Halten Sie sich an diese Regel, wenn Sie den Skill auch in anderen standardkonformen Tools nutzen möchten (z. B. VS Code mit GitHub Copilot).

Am Rande: Claude selbst ist toleranter - es akzeptiert auch ein Paket mit unterschiedlichen Namen und zeigt in der Oberfläche den Namen aus dem Feld name an.

Schritt 2: Den Header von SKILL.md vorbereiten

Die Datei SKILL.md beginnt mit einem YAML-Header, der von ----Zeilen begrenzt wird. Zwei Felder sind Pflicht:

  • name - die Kennung des Skills: bis zu 64 Zeichen, nur Kleinbuchstaben, Ziffern und Bindestriche, ohne Umlaute oder andere Sonderzeichen.
  • description - bis zu 1024 Zeichen. Beschreibt, was der Skill tut und wann er verwendet wird. Das ist der einzige Teil des Skills, den Claude vor dem Start sieht - es lohnt sich also, typische Formulierungen der Anwender aufzunehmen.

Schritt 3: Den Arbeitsablauf beschreiben

Unter dem Header halten Sie das Verfahren als Abfolge von Schritten fest. Unser Skill hat acht Schritte und einen Abschnitt mit festen Regeln (Überschriften aus der englischen Fassung des Skills):

# Presentation based on a source
## Objective
## Package contents
## Company data and confidentiality
## Source of truth
## Workflow
### Step 0 - collect requirements
### Step 1 - inventory the sources
### Step 2 - analyze the material
### Step 3 - propose the narrative
### Step 4 - prepare the slide plan
### Step 5 - approval gate
### Step 6 - build the presentation
### Step 7 - quality assurance
## Hard rules
## Result

Was die einzelnen Schritte tun:

  • Schritt 0 - klärt Ziel, Zielgruppe, Sprache, Folienanzahl, Variante (Dark oder Light) und Charakter des Materials. Er blockiert die Arbeit nicht: Fehlende Parameter ersetzt er durch offene Annahmen, und ohne Angabe einer Variante wählt er Dark.
  • Schritt 1 - listet die Quellen auf. Lässt sich eine davon nicht lesen, sagt er das direkt, statt die Lücke mit dem Wissen des Modells zu füllen.
  • Schritt 2 - arbeitet These, Fakten, Zahlen, Lücken sowie Daten heraus, die nicht verwendet werden dürfen.
  • Schritt 3 - baut die Erzählstruktur: eine Folie, eine Botschaft.
  • Schritt 4 - präsentiert den Plan im Chat. Zu jeder Folie nennt er die Quelle, am Ende folgen die Abschnitte „To be checked / source gaps“ (zu prüfen / Lücken in den Quellen) und „Omitted elements“ (ausgelassene Elemente).
  • Schritt 5 - wartet auf eine ausdrückliche Freigabe. Korrekturen oder ein allgemeines „sieht gut aus“ gelten nicht als Freigabe.
  • Schritt 6 - erstellt eine native, bearbeitbare PPTX nach den Richtlinien in references.
  • Schritt 7 - prüft die Übereinstimmung mit den Quellen, das Fehlen von Unternehmensdaten außer dem Logo, die Lesbarkeit, die Validierung und das Rendering aller Folien.

Der Abschnitt „Hard rules“ (feste Regeln) wiederholt die Regeln, die der Skill in keinem Schritt brechen darf: erst der Plan, dann die Datei; keine Daten erfinden; redaktionelle Vorschläge als Vorschläge kennzeichnen; von den Unternehmensdaten nur das Logo.

Die vollständige SKILL.md-Datei des Skills company-presentation können Sie hier herunterladen und als Ausgangspunkt für einen eigenen Skill verwenden.

Schritt 4: Workflow und Hilfsmaterialien trennen

Lassen Sie das Hauptverfahren in SKILL.md und verlagern Sie die Details in den Ordner references. Es genügt, wenn die Anweisung angibt, wann eine bestimmte Datei heranzuziehen ist. In unserem Skill beginnt Schritt 6 mit dem Satz:

Read references/brand-guidelines.md and follow it.

Die Datei brand-guidelines.md enthält alles, was erst beim Erstellen der Datei gebraucht wird: die Reihenfolge der Markenquellen, eine Tabelle zur Zuordnung des Logos zur Variante, eine Liste von Daten, die nicht verwendet werden dürfen, Regeln zur Schriftwahl, den Textstil, Regeln für den nativen Folienaufbau, typische Tücken des Tools sowie das Verfahren für Qualitätskontrolle und Auslieferung.

Durch diese Aufteilung lädt Claude diese Details erst, wenn sie gebraucht werden - in der Phase des Folienplans belegen sie keinen Platz im Kontext.

Schritt 5: Materialien in den Ordner assets legen

Legen Sie im Ordner assets/theme die visuellen Materialien ab, die der Skill nutzen soll: Design-System-Dateien mit Farben, Schriften und Folienlayouts, Exportregeln, eine PPTX-Basisvorlage und die Varianten unseres Firmenlogos.

Von den Unternehmensdaten nutzt der Skill ausschließlich unser Logo. Fügen Sie dem Paket keine Logos oder Präsentationen von Kunden und Partnern, keine echten Ergebnisse, Kontaktdaten, vertraulichen Roadmaps oder Dateien mit Kommentaren und Metadaten von Kunden hinzu.

Achten Sie auch auf Beispielinhalte in den Vorlagen. Unsere Design-System-Dateien enthalten ein Musterzitat, eine Telefonnummer und eine Website-Adresse. Der Skill hat die ausdrückliche Anweisung, sie nur als Layoutvorlage zu betrachten und nicht auf die Folien zu übernehmen.

Schritt 6: Den Skill packen und hochladen

  1. Prüfen Sie, ob SKILL.md direkt im Hauptordner des Skills liegt und nicht in einem Unterordner.
  2. Packen Sie den gesamten Ordner in eine ZIP-Datei.
  3. Öffnen Sie in Claude Customize → Skills, klicken Sie auf Add und wählen Sie das Hochladen eines Skills (Upload a skill).
  4. Wählen Sie die ZIP-Datei aus. Claude zeigt eine Vorschau von Name und Beschreibung aus dem Header - prüfen Sie, ob sie korrekt sind, und klicken Sie auf Upload.
  5. Aktivieren Sie den Skill mit dem Schalter in der Skill-Liste.

In den Plänen Team und Enterprise kann der Organisationsinhaber einen Skill auch so hochladen, dass er automatisch bei allen Anwendern erscheint.

Schritt 7: Den Skill testen

Der Test läuft genauso ab wie bei Methode 1. Diesmal rufen wir den Skill ausdrücklich mit dem Befehl /company-presentation auf - mit demselben Briefing und derselben Anfrage.

Dieser Skill stellt vor dem Plan bewusst keine Fragen. Wie in Schritt 0 festgelegt, listete er die Quellen und die getroffenen Annahmen auf - einschließlich der Standardvariante Dark - und präsentierte dann den Plan. Zu jeder Folie nannte er den Teil des Briefings, auf dem sie beruht. Am Ende führte er die Lücken in den Quellen auf (etwa den Abschnitt zu Copilot Studio, der nur einen Link enthält) sowie die ausgelassenen Elemente (etwa die Namen der Unternehmen hinter den unabhängigen Analysen). Die Empfehlung auf der letzten Folie kennzeichnete er als redaktionellen Vorschlag, da sie nicht aus der Quelle stammt. Eine PPTX-Datei erstellte er nicht.

Es lohnt sich, auch schwierigere Fälle zu testen: eine Quelle mit Kundennamen und Kontaktdaten (der Skill sollte sie auslassen und darauf hinweisen), eine Bitte um eine PPTX „sofort, ohne Plan“ (der Skill sollte trotzdem den Plan zeigen) sowie eine Anfrage ohne angehängtes Material.

Methode 1 oder Methode 2?

Beide Methoden führen zum selben Ergebnis: einem Paket mit einer SKILL.md-Datei, in der die Beschreibung festlegt, wann der Skill starten soll, und das Verfahren, wie er arbeiten soll. In beiden Tests erstellte der Skill einen Folienplan und hielt vor der Erstellung der PPTX-Datei an. Der Unterschied liegt darin, wer über die Details entscheidet.

Der Skill-Creator ist der schnellste Weg zu einem funktionierenden Skill. Ein gutes Briefing genügt, und der Creator bereitet Struktur, Verfahren und Hilfsdateien selbst vor. Ein manuell erstelltes Paket macht mehr Arbeit, gibt Ihnen aber volle Kontrolle über jeden Schritt, jede Regel und jede Datei - auch über Ihr eigenes Design, Ihre Vorlage und Ihre Logos in assets. Das ist die bessere Wahl für Prozesse, die immer gleich ablaufen sollen.

In der Praxis bewährt sich eine Kombination beider Methoden: Der Creator erstellt die erste Version, und Sie verfeinern sie anschließend manuell - Sie ergänzen Regeln, verlagern Details in references und legen eigene Materialien in assets ab.

Wie machen Sie einen Skill wirksamer?

  • Ein Skill sollte einen zentralen, wiederkehrenden Prozess abdecken.
  • Die Auslösebeschreibung sollte konkrete Situationen und typische Formulierungen der Anwender nennen.
  • Lassen Sie nicht mehrere Skills mit ähnlicher Beschreibung gleichzeitig aktiviert. Sie konkurrieren miteinander, und es ist schwer vorherzusagen, welcher startet. Deaktivieren Sie überflüssige oder grenzen Sie ihre Beschreibungen ein.
  • Verlangen Sie bei Präsentationen und anderen aufwendigen Dateien die Freigabe eines Plans, bevor das Ergebnis erzeugt wird.
  • Fehlende Daten sollten zu einer Rückfrage, einer offenen Annahme oder der Markierung „To be completed“ führen - nicht zum Raten.
  • Legen Sie ausdrücklich fest, welche Daten der Skill nicht verwenden darf. In unserem Fall: von den Unternehmensdaten nur das Logo.
  • Halten Sie den Hauptworkflow in SKILL.md und die Details in references, assets und scripts.
  • Testen Sie auch fehlerhafte und unvollständige Fälle und verbessern Sie den Skill anhand der Ergebnisse.
  • Prüfen Sie vor dem Teilen des Pakets Dateinamen, Kommentare, Notizen, Metadaten und Beispielinhalte in den Vorlagen.

Fazit

Skills sind der natürliche nächste Schritt in der Arbeit mit KI. Prompts haben uns geholfen, effektiver mit Modellen zu kommunizieren, doch bei wiederkehrenden Aufgaben wird das ständige Kopieren und Anpassen derselben Anweisungen schnell ineffizient. Ein Skill geht einen Schritt weiter: Er hält nicht nur einen einzelnen Befehl fest, sondern eine ganze bewährte Vorgehensweise.

Im Unternehmensumfeld kann das besonders wertvoll sein. Ein gut gestalteter Skill hilft, das Wissen eines Mitarbeiters, ein Unternehmensverfahren oder einen erprobten Workflow in eine Lösung zu verwandeln, die das ganze Team nutzen kann. So müssen Anwender umfangreiche Anweisungen nicht selbst nachbauen, und die Ergebnisse entsprechen einheitlicher den vereinbarten Standards.

Skills ersetzen keine Prompts. Der Prompt legt weiterhin fest, was wir erreichen wollen, während der Skill beschreibt, wie die KI die Aufgabe erledigen soll. Genau deshalb ergänzen sich beide Mechanismen so gut.

Es lohnt sich also, Skills nicht als weitere technische Spielerei zu sehen, sondern als Möglichkeit, Organisationswissen zu ordnen und wiederzuverwenden. Prompt-Bibliotheken waren ein guter Anfang. Bibliotheken mit Unternehmens-Skills könnten die nächste Stufe eines reifen KI-Einsatzes sein. Die Frage lautet nicht mehr nur: „Welchen Prompt soll ich schreiben?“, sondern auch: „Welche wiederkehrenden Aufgaben in meinem Unternehmen lohnt es sich, in Skills zu verwandeln?“

Stand: 25. September 2026. Bezeichnungen von Optionen, die Verfügbarkeit in den Plänen und die Installation von Skills können sich mit der Weiterentwicklung von Claude, ChatGPT und Copilot Studio ändern.

Quellen

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KIClaudeKTBnet